Happyend für Sancho

Hallo Freunde! Hier meldet sich endlich Euer Sancho, der nun schon ein ganzes Jahr im Rheingau lebt. Ich hatte einfach ein zu großes Programm. Meine Mutter hatte ihre Menschen am 26.06.15 mit 8 Welpen überrascht. Da wir auf einem nicht einzäunten Grundstück direkt an der Straße geboren wurden, waren Probleme vorprogrammiert. Im Alter von 2,5 Monaten trieb mich die Neugier auf die Straße. Das Spiel mit einem Auto habe ich verloren; der Autofahrer war weg und mein Hinterbein gebrochen.

Als die Tierhilfe La Palma erfuhr, dass wir alle viel zu jung am Flohmarkt in eine ungewisse Zukunft abgegeben werden sollten, versorgte sie uns mit Futter, brachte mich zum Tierarzt und sorgte dafür, dass mein Bruder „Puschkin“ seine Familie in Eltville fand. Da sich zum geplanten Reisetermin kein Flugbegleiter meldete, kam die Vermittlerin Rud zur Abholung nach La Palma und sah mich mit meinem Verband im Dauerregen und wie ich ständig von meinen ungestümen Geschwistern umgestoßen wurde. Damit ich ins Trockene kam, durfte ich für fast eine Woche mit in ihr Quartier; ich genoss die Einzelbetreuung und war sofort stubenrein.


In dieser Zeit reifte der Gedanke, dass auch ich mit nach Deutschland fliegen und den Platz der kurz zuvor verstorbenen alten Hündin von Rud‘s Schwester einnehmen darf.

Nach einigen Telefonaten kam das OK von meinem neuen Frauchen und ich flog am 22.10.15 zusammen mit meinem Bruder ins neue Zuhause. Leider war die ärztliche Versorgung vor Ort nicht optimal, denn eine Röntgenaufnahme brachte Gewissheit, dass mein Bein 3 x gebrochen war und nur durch eine Operation erhalten werden konnte. Alternativ wurde bei der Voruntersuchung von Amputation gesprochen, was mein Frauchen aber auf keinen Fall wollte.

Also fuhr sie mit mir am 27.10.15 in die Klinik nach Hofheim und durfte mich erst am 30.10. wieder abholen, weil die OP sehr schwierig war und ich viel Blut verloren hatte. Die Pfleger während der stationären Unterbringung waren ganz begeistert von mir und lobten meine Tapferkeit. Dabei kam die eigentliche Geduldsprobe erst danach, denn außer dem verschraubten Bruch wurde mein Bein mit einem „Fixateur extern“ geflickt und 3 Wochen „Boxenruhe“ verordnet. Ich sollte mich also so wenig wie möglich bewegen und durfte nicht laufen. Mein Frauchen musste mich ständig im Auge halten, für die täglichen Geschäfte raustragen und festhalten. Alle 2 Tage musste der Tierarzt den Verband erneuern. Mein Bewegungsraum war in dieser Zeit auf die Fläche eines Laufstalles beschränkt; dabei wollte ich in meinem jugendlichen Alter doch lieber rennen und spielen. Das war für uns beide eine schwierige Zeit.


Am 19.11.15 wurde der Fixateur endlich entfernt und ich durfte wieder selbst laufen. Allerdings kamen danach ganz viele Sitzungen bei der Krankengymnastik und auf einem Unterwasserlaufband, d.h. mein Frauchen und ich waren ständig unterwegs. Auch nach den vielen Behandlungen habe ich mein Vertrauen zum Tierarzt behalten und gehe freudig in die Praxis, wie kürzlich zur Jahresimpfung.

Trotz aller Bemühungen blieb mein Kniegelenk steif. Wenn ich es eilig hatte, schleifte ich das Bein einfach nach und scheuerte mir den Ballen auf; also verpasste mir mein Frauchen einen Schutzschuh. Damit kam ich wunderbar klar und er hinderte mich auch nicht beim Raufen mit meinem Bruder „Puschkin“, den ich häufig treffe, oder beim Marschieren durch Wiesen und Weinberge. Da ich viel Temperament habe, musste der Schuh ständig repariert bzw. ersetzt werden. Mehrere Male habe ich ihn auch im hohen Gras verloren, ihn aber immer selbst gesucht und meinem Frauchen zurückgebracht.

Mittlerweile ist mein „geflicktes“ Bein so stabil und muskulös, dass ich seit kurzem auch ohne Schuh laufen, mit allen anderen Hunden spielen und um die Wette rennen kann. Dass ich mein Bein etwas anders bewege, stört keinen meiner Artgenossen.

Nur manche Menschen bedauern mich und dann sagt mein Frauchen immer, dass ich der „wertvollste“ Hund bin, den sie je hatte.

Eigentlich bin ich ja ein Glückspilz, denn ohne diesen blöden Autounfall wäre ich sicher nie im Rheingau gelandet und könnte nicht mit Bruder Puschkin, Landsmännin Mandy und vielen Kiedricher Freunden herumtoben oder lange Spaziergänge mit Frauchen machen.

Hier seht ihr uns Drei bei einer kurzen Pause. Wie zu erkennen, geht es mir richtig gut und ich hoffe,

dass es meine anderen 6 Geschwister in Holland auch so gut getroffen haben.

Euer Sancho „Humpelbein“

im Oktober 2016